Spirituosen – Die guten Geister der Küche

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Sie gehörten zum Haushalt: Schnäpse und Liköre

Als ich in meiner Kindheit bei Oma und Opa zu Besuch war, hatte die Oma im Küchenschrank ein extra Fach für Spirituosen. Schnaps, Grappa, ein edler Weinbrand, Eier- und so mancher Kräuterlikör gehörten dort zum Standardsortiment. Bei einem Abstecher zur Patentante oder zur Nachbarin war es nicht anders. In jedem Haushalt gab es in der Küche ein Schrankfach, welches diverse Spirituosen beherbergte oder es standen zumindest einige Schnäpse, Liköre und Obstbrände in der Vorratskammer.

Spirituosen in der Küche
Spirituosen in der Küche

Was hatten Spirituosen in der Küche zu suchen?

Grund für die vielen Spirituosen in der Küche war nicht, dass sich seinerzeit die älteren Herrschaften beim Kochen betrunken hatten. Sondern Spirituosen gehörten in der Küche zu den üblichen Vorräten und zum guten Ton. Die Küche war ein Ort des Zusammentreffens. Hatte jemand runden Geburtstag, kamen die Dorfbewohner zum Gratulieren. Gäste wurden in die Küche gebeten und es gehörte sich, mit dem Gratulant anzustoßen. Für die Damen ein Likör, für die Herren ein Schnaps. Nach dem üppigen Sonntagsbraten gab es einen Kräuterlikör, sonntags auf das Eis den Eierlikör, vielleicht aber auch den Kirschlikör. Der Grappa wurde vom Italienurlaub mitgebracht, um damit selbstgekochte Marmelade abzuschmecken. Und wenn sich jemand beim Gemüseschneiden in den Finger schnitt, wurde die Wunde mit Hochprozentigem desinfiziert.

Hochprozentiges kehrt in die Küche zurück

Die nachfolgende Generation schien die Spirituosen aus der Küche verbannt zu haben. In meinem Elternhaushalt gab es das kaum mehr und ich selbst zähle auch zu jenen Frauen, die alleine schon wegen der Kinder fast 20 Jahre kaum Alkoholisches im Haus hatte. Ich freute mich jedoch, wenn ich ab und an mal am Wochenende bei einer älteren Freundin zu Gast war und sie zum Brunch Gin-Marmelade oder zum Dessert Eis mit einem leckeren Likör auftischte. Früher brachte Sie sich ihre Hochprozentigen aus dem Urlaub in Österreich oder aus Italien mit, doch inzwischen hat sie Ihr Spirituosen Spezialist myspirits.eu gefunden. Ein deutscher Onlinehändler, der unter anderem Produkte der Südtiroler Brennerei Unterthurner führt, zu deren Hauptprodukten beispielsweise der Waldler gehört. Zum weiteren Sortiment zählen vornehmlich alkoholische Spezialitäten regionaler Herkunft und kleinerer Destillerien. Eben ganz spezielle Spirituosen, die fernab von Massenindustrie noch nach guten alten Traditionen gebrannt werden.

Solche Hochprozentigen finden heute wieder in die Küche zurück und viele Rezepte für eingelegtes Obst, selbstgekochte Marmelade oder Kompott mit Schuss und anderes begeistern Köchinnen und Köche von heute. Mich wundert dies nicht, doch erstmals kam ich „auf den Geschmack“, als ich in einer Gourmetbox das leckere Blutorangen Gelee mit Wodka probierte. Es war mal eine ganz neue geschmackliche Richtung und die Spirituose Wodka verlieh dem Gelee eine besondere Note, die mir wirklich gut gefiel.

Anderes Konsumverhalten bei Spirituosen

Wenngleich die moderne Küche Hochprozentiges wieder mehr aufgreift, hat sich meiner Meinung nach der Umgang mit Spirituosen stark verändert. Ihr Konsum ist in der jungen Generation mehr der Coolness geschuldet und so werden Bier, Wein, Alkopops und Co eher dazu missbraucht, sich zu betrinken.

Früher dienten Grappa, Schnaps, Kräuterlikör vorrangig dazu, Völlegefühl zu lindern, Magenschmerzen auszukurieren, zum Konservieren bzw. Desinfizieren oder wenn es einen Anlass zum Feiern gab. Doch dann wurde sich nicht betrunken, sondern kultiviert angestoßen. Obwohl die Spirituosen in der Küche allgegenwärtig waren, schienen sie nicht in solchem Ausmaß konsumiert zu werden, wie dies heute der Fall zu sein scheint.

Hochprozentige Spirituosen und cremige Liköre waren etwas Besonderes, das es eben nur zu einem besonderen Anlass wie Besuch, Feiern oder im Zusammenhang mit bestimmten Gerichten gab. Auch so mancher „Selbstgebrannter“ mogelte sich unter die Spirituosen und wurden unter der Hand als „Familien-Willi“ für Lieblingsgäste oder Familienfeiern gehütet. Diese Generation hatte einen sehr vorbildlichen Umgang mit dem Thema Alkohol und zeigt einmal mehr, dass wir viel von älteren Damen und Herren lernen und übernehmen können. Auch, wenn es um den verantwortungsbewussten Konsum vom hochprozentigen Spirituosen geht.

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